„Wir müssen jetzt den Blinker auf Zukunft setzen"

Beim 8. Deutschen Fahrlehrerkongress in Berlin will
Educatio Digitale Lernsysteme mit der Branche in die
Zukunft abbiegen. Das Unternehmen denkt mit seiner
Marke Dreiv das Pauken für den Führerschein neu,
verbessert die Bestehensquote für Einwanderinnen und
Einwanderer und will Fahrschulen bei der Digitalisierung
sinnvoll unterstützen. Der Handlungsbedarf ist akut.

 

Ahnungslose FührerscheinanwärterInnen, von Jahr zu Jahr steigende
Durchfallquoten und gestresste FahrlehrerInnen: Die Branche steckt in einem
Spannungsfeld, das besonders kleine Fahrschulen in ihrer Existenz bedroht. Ein
Startup macht mit digitalen Lösungen für das Selbstlernen die Straße frei für ein
neues Zeitalter in deutschen Fahrschulen. Oliver Frey, Geschäftsleiter Dreiv, spricht
über den 8. Deutschen Fahrlehrerkongress als perfektes Forum, um das Spin-off des
erfolgreichen Lernsystem-Pioniers Educatio aus Ungarn vorzustellen.

 

Herr Frey, warum sind Sie mit Dreiv in Berlin beim 8. Deutschen Fahrlehrerkongress dabei?

Oliver Frey: Das wichtige Treffen der Branche ist das erste seit unserer Gründung. Die überregionale
Veranstaltung ist DER Branchentreff – vom Gastgeber, der Bundesvereinigung der Fahrlehrer, bis hin
zu Vertretern der Politik sind alle dabei. Es ist eine große Chance für uns sichtbar zu werden und laut
für unseren neuartigen digitalen Ansatz auf die Hupe zu drücken. Wir rechnen mit mehr als 800
BesucherInnen und freuen uns darauf, viele Gespräche zu führen.

 

In welchem Rahmen sind Sie auf der Fachmesse vertreten?

Frey: Wir haben einen hochmodernen Stand, der die BesucherInnen überraschen wird – bunte Felder
auf dem Boden können mit dem Fuß gesteuert werden und laden zu Interaktionen ein. Das ist ganz
nebenbei auch Corona-konform. Außerdem hat unser siebenköpfiges Team den Lernroboter „Pepper“
dabei. Ich werde mit ihm interagieren und ein Interview führen, er wird Gefahrensituationen erklären
und vieles mehr.

 

Sie waren 12 Jahre lang selbst Fahrlehrer. Wie sind Sie bei Dreiv gelandet?

Frey: Ich war 16 Jahre im Management von TÜV Süd und kenne damit den gesamten Ausbildungs- und
Prüfungsprozess. Und dieser ist aus meiner Sicht nicht zukunftsgerecht. Das Lernverhalten der jungen
Leute hat sich verändert. Als ich von Dreiv erfahren habe, war ich vom Lernansatz direkt begeistert.
Damit war der erste Schritt schon getan. Das inspirierende Team und die hohe Kompetenz für digitale
Lernsysteme haben mich dann endgültig überzeugt, mit einzusteigen.

 


Was sind die größten Probleme der Branche?


Frey: Die Durchfallquoten steigen von Jahr zu Jahr, gerade Menschen mit Migrationshintergrund fallen
häufig durch. Die FahrlehrerInnen sind zunehmend gestresst und haben den Eindruck, in den
Praxisstunden bei null zu beginnen. Gleichzeitig sind die Wartelisten extrem lang – ganz besonders seit
Corona. Wir müssen deshalb jetzt dringend den Blinker auf Zukunft setzen. Ein weiterer Punkt ist die
Ausnahmeregelung seit der Pandemie, die Onlineunterricht erlaubt. Digital zu denken ist gut, doch
aktuell haben vor allem die kleinen Fahrschulen Angst, dass ein paar große Onlineanbieter Hunderte
von SchülerInnen gleichzeitig abfrühstücken werden. Dadurch fühlen sie sich bedroht, denn der
Präsenzunterricht ist eine wichtige Einnahmequelle von Fahrschulen. Wir glauben, dass es nicht gut
ist, wenn wenige große Player den Onlineunterricht bestreiten und der Praxisunterricht abgekoppelt
davon stattfindet. Die aktuell diskutierten Blended Learning-Ansätze, also Kombinationen aus
Unterricht und Selbstlernen, finden wir sehr spannend. Die Digitalisierung bietet verschiedene
Modelle, die kleine Fahrschulen genauso effizient einsetzen können, wie große.

 


Warum ist es wichtig, dass Fahrschulen mit digitalen Lerninhalten unterstützt werden?


Frey: Fahrschulen sind seit Jahrzehnten auf der gleichen Denkautobahn unterwegs. Viele
FahrlehrerInnen haben mittlerweile erkannt, dass das Wiederholen von Prüfungsfragen allein nicht
ausreicht. Die Entwicklung von praxisnahen Verkehrskompetenzen soll im Mittelpunkt stehen. Dafür
bieten digitale Lernsysteme heute hervorragende Möglichkeiten, die gleichzeitig sehr motivierend für
junge Leute sind. Wie auch das Arbeiten und Kommunizieren in kleinen Gruppen.

 


Was unterscheidet das System von Dreiv von anderen Apps und Co.?


Frey: Bei uns geht das Verstehen vor dem stumpfen Auswendiglernen. Bestehende Systeme werden
von FahrschülerInnen in der Regel zum Auswendiglernen der Prüfungsfragen genutzt. Wir glauben
aber, dass Menschen, die den Führerschein machen und sicher im Straßenverkehr navigieren
möchten, besser vorbereitet sein müssen. FahranfängerInnen sollten ein Verständnis für die
Zusammenhänge entwickeln und echte Kompetenz erwerben - weg vom rein deklarativen Wissen, hin
zu prozeduralem Wissen.


Was ist das Ziel von Dreiv?


Frey: Wir möchten Fahrschulen sinnvoll bei der Digitalisierung ihrer Theorieausbildung unterstützen.
Für die FahrschülerInnen wünschen wir uns bessere Inhalte für mehr Motivation und Wissenstransfer
und in Folge höhere Bestehensquoten bei den Prüfungen. In Deutschland gibt es rund 10.000
Fahrschulen. Jede Woche steigen neue Fahrschulen auf das Dreiv Lernsystem um. Diese Entwicklung
wollen wir weiter beschleunigen. Es ist unser Ziel, dass wir ab 2022 nicht mehr von der Landkarte
wegzudenken sind und unser Wachstum deutlich aufs Gas drückt.

 


Durch das Selbstlernen unterstützen Sie auch den Unterricht. Wie geht das?


Frey: Das wird durch das sogenannte Blended Learning möglich – also eine Kombination aus einem
tollen Unterricht, wo an Stelle von Faktenwissen vor allem praxisnahe Kompetenzen vermittelt
werden, sowie vielfältige Medien und Inhalte für das Vertiefen daheim. Dreiv bringt das mit 2.000
Abbildungen, 500 interaktiven Aufgaben, 400 Videos und Animationen auf die Straße.

 


Welche Neuheiten stellen Sie auf der Fachmesse in Berlin vor?


Frey: Im Januar erscheinen unsere interaktiven Module auf Hocharabisch, Türkisch, Russisch und
Englisch – der komplette Stoff, nicht nur die Prüfungsfragen! Diese wollen wir natürlich zeigen. Der
Bedarf ist riesig.

 


Warum sind Materialen auf Hocharabisch, Russisch und Englisch so wichtig?


Frey: Über 200.000 Männer und Frauen machen in Deutschland jährlich ihren Führerschein, für die
Deutsch eine Fremdsprache ist. Theoretisch kann man in vielen Sprachen seinen Führerschein machen,
aber ohne entsprechende Lernangebote ist das sehr herausfordernd. Dazu kommt die Präsenzpflicht
von 14 Doppelstunden, die in 95 Prozent der Fälle auf Deutsch gehalten werden – ob es nun ein Drittel
der Klasse nicht versteht, bleibt unbeachtet. Betroffene können bisher nur auf die erwähnten Apps
zurückgreifen, in denen Prüfungsfragen immer wieder wiederholt werden.

 


Wie sind die aktuellen Bestehensquoten bei Fahrprüfungen?


Frey: Der Bundesdurchschnitt liegt bei 65 Prozent, bei MigrantInnen bzw. Menschen, für die Deutsch
nicht ihre Muttersprache ist, deutlich darunter. Da hat die Branche noch eine Riesenaufgabe vor sich.

 


Über Dreiv, ein Lernsystem von Educatio:


Dreiv ist seit April 2021 auf dem deutschen Markt aktiv. Mehr als 100 Fahrschulen haben das System bereits
implementiert. Im Januar 2022 launcht Dreiv Programme auf Hocharabisch, Türkisch, Russisch und Englisch.
Dreiv ist ein Spin-off von Educatio, einer Tochtergesellschaft der Edu-Tech-Unternehmensgruppe Nexius mit 700
MitarbeiterInnen. Das digitale Lernsystem für ungarische Fahrschulen heißt EduKRESZ und ist seit zehn Jahren
erfolgreich auf dem Markt. Jedes Jahr bringt es mehr als 100.000 SchülerInnen durch die Prüfung. Die Gruppe
entwickelt innovative digitale Lernsysteme für Schulen, Hochschulen und Fahrschulen, mit Erfahrungen aus
mittlerweile mehr als 800.000 abgeschlossenen Theoriekursen.